EINE SAUBER GESTALTETE BOTSCHAFT KOMMT BESSER AN, MAN SCHAUT SIE AN, LIEST SIE LEICHTER UND BEHÄLT SIE IN ERINNERUNG.

Ein Gespräch mit Nathalie Frey, Mitarbeiterin Layout und DTP n c ag Urdorf, Juli 2016 – Thomas Gysin
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Nathalie Frey, im Eulachpark Winterthur.

Nathalie Frey lebt in Winterthur, sie mag die Stadt und ihre Überschaubarkeit. Gelernt hat Nathalie Frey Polygrafin, die noch junge Berufsbezeichnung der früheren Fachgebiete Typograf für Text und Lithograf für Bild. Die Arbeit habe sie von Anfang an fasziniert, sie sei sehr vielseitig und anspruchsvoll. Das rechnerunterstützte Setzen und Erstellen von Layouts und digitaler Druckvorlagen setze viel technisches Verständnis voraus. Für einen guten Job würde das allein aber nicht ausreichen. Sie habe darum nochmals eine Ausbildung zur typografischen Gestalterin gemacht, an der Berufsschule für Gestaltung in Zürich. Bei der Gestaltung gehe es um Nuancen, die von Bedeutung seien. Eine wortgewaltige Botschaft käme nicht besser an, nur weil sie fett und gross geschrieben sei, leseappetitlich gestaltet mache sie dagegen vielleicht Lust auf mehr. Nathalie Frey arbeitet bei der n c ag in der Abteilung Layout und Desktop-Publishing und ist Ausbildnerin dreier Lernender.

Man solle doch einmal darüber nachdenken, wann es das letze Mal vorgekommen sei, dass man eine Werbebotschaft nicht unbesehen weggeschmissen habe. Hand aufs Herz, das käme doch recht selten vor. Der Mensch sei heute ziemlich unzimperlich im Umgang mit Angeboten, die ungefragt an ihn gelangen. Dabei sei es nicht nur der Kopf, der sich für ein Ja oder Nein entscheide, vieles passiere nach dem Lustprinzip. Wenn etwas gut aussehe, schaue man nicht einfach weg, da werden Signale empfangen, die direkt an die Gefühlswelt eines Menschen appellieren. Diese Mechanismen dürfe man bei der Gestaltung eines Angebots nicht ignorieren, ein Text solle mit dem Auge des Lesers lieb sein und ein Bild müsse das Interesse wecken.

Im Desktop-Publishing sehe man sich mit unterschiedlichsten Arbeiten konfrontiert. Mit sehr technischen Aufträgen zum Beispiel, bei denen mit Elementen aus einer oder mehreren Datenbanken ein Angebotskatalog zusammengestellt werde. Dabei gelte es, Vorschriften zum Corporate Design und spezielle Regeln für Auszeichnungen sowie des Wordings zu berücksichtigen. Das seien Tempo-Jobs, mit einer Null-Fehler-Toleranz. Solche Arbeiten würden nach höchster Konzentration und einer guten Organisation verlangen. Für derartige Aufträge müsse man schon sehr fit sein, lacht Nathalie Frey, solche Jobs nehme sie darum sportlich.

Doch auch bei Arbeiten, die scheinbar einfach daherkommen – mit einer auf ein Minimum reduzierten Aussage, wie zum Beispiel „Zahnpasta, 3.95!“ – mache es sehr wohl einen grossen Unterschied, wie die Typografie auf das Auge wirkt. Viele triviale Botschaften würden so lieblos gestaltet, dass sie das Auge beleidigen. Das müsse nicht sein. Selbst profane Aussagen liessen sich typografisch sauber gestalten, so, dass man beim Hinschauen eine Botschaft auch wohlwollend aufzunehmen vermöge. Es seien viele Details, die dazu beitragen. Das Auge nehme eine Botschaft in geordneten Lesestufen wahr – nicht nur von links nach rechts, von oben nach unten. Die Typografie, das Zusammenspiel von verwendeten Farben und eine sparsame Nutzung des verfügbaren Raums seien dafür ausschlaggebend. Und, es sei wie bei der gesprochenen Sprache: Wichtige Botschaften würden nicht durch Lautstärke wichtiger, etwas leiser seien sie vielleicht verständlicher, geordnet und ruhig nehme man sie besser auf.

Was gut aussieht, verkauft besser

Der Mehraufwand, um aus einer weniger guten eine gute Arbeit zu machen, sei relativ gering und lohne sich darum immer. Während sich nämlich eine gute oder sehr gute Arbeit am Schluss in der Ertragsbilanz positiv auswirke, erziele eine weniger gute Arbeit ein unbefriedigendes Resultat, im schlimmsten Fall schade eine schlechtere Arbeit sogar – dem Image des Anbieters oder dem Produkt.

Im Desktop-Publishing sei die Verführung gross, in den vielen digitalen Schubladen nach pfannenfertigen Lösungen zu suchen und diese für einen neuen Auftrag zu übernehmen. Das bringe nichts, schon gar nicht dem Kunden, ist Nathalie Frey überzeugt. Mit so einer Copy-paste-Mentalität schaffe man nur ein weiteres Produkt in einer bereits unüberblickbaren Angebotsvielfalt. Die Chance, beim Konsumenten überhaupt wahrgenommen zu werden, tendiere damit gegen Null.

Geschäftsberichte und Kundenmagazine: eine Visitenkarte, in die sich zu investieren lohne

Es gebe sie noch, die Patrons, die ein Vorwort schreiben, Nathalie Frey hat schon handgeschriebene Editorials erhalten, oder solche, die auf einer alten Schreibmaschine getippt worden waren. Das sei zwar selten, aber schön. In den meisten Fällen seien mit dieser Vorarbeit die Kommunikationsverantwortlichen eines Betriebs oder eine dafür spezialisierte Agentur beschäftigt. Sie haben das Konzept, das Artwork und den Inhalt eines Geschäftsberichts oder Kundenmaganzins schon aufbereitet und die Rohdaten zur Aufbereitung der Druckdaten parat gemacht.

Nathalie Frey benennt diese Phase gerne als Zwischenstation. Von da an gehe es gut und gerne noch einmal soweit, bis man das Ziel erreiche. Der Aufwand bis zu einem Gut zum Druck oder zum Okay für eine Onlineschaltung werde oft unterschätzt. Ein Produkt lasse sich eben meist erst beurteilen, wenn es fertig sei. Mehrere Korrekturdurchläufe seien zwar nicht die Regel, aber sie kämen durchaus vor. Das sei wie bei der Musik. Wenn der Komponist ein interessantes Stück geschrieben habe, müsse der Dirigent es für den Einsatz eines jeden einzelnen Instruments richtig interpretieren. Und schliesslich sei es ein ganzes Orchester, das die Musik mache.

Richtig Freude komme bei ihr auf, wenn sie mit dem Kunden oder der Agentur die vielen Feinheiten, die zu einem guten Resultat beitragen, besprechen könne. Es sei nicht nur das Layout und die Typografie, die ein gutes Werk ausmachen, es seien auch die Bilder, die eine eigene Geschichte erzählen. Bei den Bildern würde schon ein gut gewählter Bildausschnitt eine Aussage extrem verbessern können. Da müsse man darauf achten, da gelte es, nichts zu verpassen.


Nathalie Frey, im Zug zur Arbeit.

Als Pendlerin zwischen Winterthur und Urdorf verbringt Nathalie Frey eine ganze Menge Zeit im Zug, täglich immerhin zwei Stunden. Es sei allerdings keine verlorene Zeit, sie nutze sie zum Ausgleich – mit Hörbüchern. Es sei ein bisschen wie ein Abtauchen in eine andere Welt, das tue gut, sie käme so relaxed an die Arbeit und entspannt wieder nachhause. Nathalie Frey ist ein Naturmensch, sie mag schöne Wanderungen und frönt dabei auch ihrem Hobby, der Fotografie, ihr Lieblingssujet sind Landschaften.

 

DTP heisst mitdenken, nicht nur ausführen

Es sei ein bisschen wie Pflicht und Kür. Desktop-Publishing beschränke sich vielerorts nur auf Ausführungsarbeit, das sei sehr, sehr schade, moniert Nathalie Frey. Wenn aus einer guten Idee und der Absicht, ein schönes Resultat zu erzielen, nur ein 0815-Resultat herauskomme, sei dies bedauerlich, man habe dann am falschen Ort gespart. Es bringe doch nichts, wenn man bei einem Rennen fast bis zum Schluss ganz vorne dabei sei und dann gehe einem auf der Zielgeraden die Luft aus.

Nathalie Frey bei einer Aufgabenbesprechung mit Auszubildenden.

Desktop-Publishing sei sozusagen der Finish eines Arbeitsprozesses, bei dem einer genialen Idee oder gar einem grossartigen Artwork der letzte Schliff gegeben werde. So etwas dürfe man dann nicht einfach kaputtsparen. Da sei die gesamte Vorarbeit zunichte gemacht, da hätte man schliesslich am Ziel vorbeigeschossen.

Mit den Jungen am Puls der Zeit bleiben

Viel Spass mache Nathalie Frey auch die Ausbildung des Nachwuchses. Während sie den Jungen ihr Wissen weitervermittle, würde sie selbst bei jedem neuen Lehrgang auch wieder wichtige Impulse von den Jungen aufnehmen. In der Kommunikation entwicklen sich neue Trends in rasantem Tempo, der Austausch zwischen Generationen helfe dabei, am Puls der Zeit zu bleiben, nichts zu verpassen. Schliesslich würden so die daraus gewonnenen Erkenntnisse bei Gestaltungsprozessen einfliessen können, oft sei dies nur ein Tüpfelchen auf dem „i“, allerdings ein wichtiges, eines, das eben jeden Job besser mache.