DATENBANKEN SIND WIE EITLE DIVEN: WENN MAN NICHT LIEB IST MIT IHNEN, REAGIEREN SIE EMPFINDLICH UND SIE STREIKEN. DANN MUSS SUPPORT HER!

Ein Gespräch mit Christian Seyboldt, Systemsupport n c ag Urdorf, November 2016 – Thomas Gysin

Christian Seyboldt auf seiner neuen Honda Africa Twin

Christian Seyboldt hat ursprünglich die alte Schule eines Reprofotografen und Lithografen absolviert und den Übergang der analogen Technik ins neue digitale Zeitalter Schritt für Schritt mitgemacht. Fasziniert hat ihn schliesslich die IT-Technologie, mit der sich ihm eine völlig neue Welt auftat. Christian Seyboldt entdeckte schnell, dass man durch geschicktes Zusammenführen verschiedenster Programme und Komponenten aus einem einfachen Computer einen intelligenten Assistenten bauen kann, der in einem Arbeitsprozess vieles schneller, effizienter und präziser erledigt, als dies ein Mensch kann. Heute ist er mit allen Systemen vertraut, gibt sein Wissen in Schulungen weiter und betreut den Kundensupport.

Media Asset Management, Web-to-Print oder PIM-Systeme sind technisch hochkomplexe Datenbanken, in denen sich jedermann mit Leichtigkeit und wenigen Klicks zurechtfinden soll. Grundsätzlich funktioniert das im Alltag problemlos. Selbst fehlerhafte Manipulationen können einem System nichts anhaben, es weist allenfalls auf einen «Error» hin oder bittet um nochmalige Eingabe oder um die Konsultation des Manuals. Erst ein irrtümliches Füttern mit falschen Daten quittiert das System möglicherweise mit Tilt oder einem Absturz. Passiert ist dann aber noch gar nichts, es entsteht höchstens eine kurzfristige Stresssituation: Support muss her! Bei einem Spaziergang erzählt Christian Seyboldt aus seiner Welt der Computer, deren Macken, über den Umgang mit ihnen und die Freundschaft, die er zu ihnen pflegt.

Für normalsterbliche IT-Techniker müssten Datenbanken eigentlich fehlerfrei funktionieren, sie seien auf einem System aufgebaut, das so lange durchgerechnet worden sei, bis die Wahrscheinlichkeit einer Fehlerquelle bei 0,0001 Prozent liege, also in einem menschlichen Leben gar nie vorkommen könne. Wenn das System trotzdem einmal einen Klickbefehl verweigere, sei es nicht die Technik, sondern der Mensch, der versagt habe. So weit die Logik normalsterblicher Computerfreaks. Christian Seyboldt sieht das etwas differenzierter, erzählt auf dem Spaziergang Dinge aus seiner Welt, die wir vielleicht erst aus dem Kino kennen. Computer-Nerds hätten es längst bemerkt: Die künstliche Intelligenz habe sich inzwischen verselbstständigt. Die unzähligen Automatismen, die man in ein System eingebaut habe, hätten sich selbst verlinkt und ein eigenes Memory entwickelt, das sich Klick für Klick ständig weiterbilde, dabei keine Spuren hinterlasse und Techniker schliesslich vor unlösbare Rätsel stellen könne. Da helfe kein Manual mehr, schon gar nicht Fluchen. Da müsse der Programmierer Demut zeigen, sich vor der Maschine ganz klein machen, er müsse lieb sein, die Maschine ganz brav anfragen, ob sie ihm vielleicht weiterhelfe. So sei das heute, lacht Christian Seyboldt, für viele möge dies beängstigend tönen, er aber sei sich das längst gewohnt, er habe diese Entwicklung mitgemacht, sowohl auf der Seite der Programmierer wie auf der Seite der Maschinen. An die künstliche Intelligenz der Computer müsse sich der Mensch gewöhnen, noch sei dazu Zeit, den Computer mit all seinen Eigenheiten zu verstehen, sich mit ihm anzufreunden und sich mit ihm gemeinsam weiterzuentwickeln. Wer es nicht tue, werde früher oder später auf dem linken Fuss erwischt, der habe es plötzlich nicht mehr mit willigen Befehlsempfängern zu tun, der sehe sich auf einmal mit einem Gegenüber konfrontiert, das sich verselbstständigt habe, vielleicht gar Forderungen stelle!

Mit den Systemen der n c ag flott und problemlos unterwegs!

Wenn er über die Datenbanken seiner Kunden spricht, dann tut Christian Seyboldt dies mit Enthusiasmus. Die Softwarelösungen der n c ag seien perfekt auf die realen Bedürfnisse der jeweiligen Aufgaben abgestimmt, die Bildoberfläche mit allen Informationen leicht verständlich, die Menüführung selbsterklärend. Das alles mache die Arbeit für jeden User schon einmal grundlegend einfach, die Fehlerquote tendiere so gegen null. Bei den Systemen habe man auf bewährte Lösungen gesetzt, da würden im täglichen Ablauf auch mögliche Probleme nicht gleich zu einer kleineren Katastrophe ausarten. Der Support könne in den meisten Fällen telefonisch erfolgen oder mit einer Mailanfrage erledigt werden. Sollte «der Hund» etwas versteckter begraben liegen, so sei die Ursache in der Regel menschlicher Natur. Eine irrtümlich unkorrekt benannte und falsch abgelegte Datei zum Beispiel liesse sich erst mit einem Suchprogramm orten. Er freue sich jedes Mal, wenn er verzweifelten Kunden wieder ein Lächeln aufs Gesicht zaubern könne. Etwas länger könne es dauern, wenn Urheber und Ursache völlig unbekannt seien. Da helfe sogar ein Manual selten weiter. Die grundsolide Basis der eingesetzten Systeme käme ihm aber sehr wohl zugute. Man müsse dann auf die Logik setzen, auf die eigene, also die menschliche Logik, und wenn diese nicht weiterhelfe, dann eben auf die Logik des Computerhirns, das ticke einen Zacken anders. In solchen Augenblicken müsse man Ruhe bewahren, mit dem Computer lieb sein, mit ihm nicht die Konfrontation suchen, sondern den Dialog. Da sei es schon von Vorteil, wenn man mit ihm auf Du sei!

Was in der analogen Zeit enorm viel Zeit und Geld kostete, ist heute mit Mediadatenbanken per Mausklick erhältlich.


Christian Seyboldt am Arbeitsplatz

Auch wenn die künstliche Intelligenz eines heutigen Computers Christian Seyboldt jeden Tag von Neuem zu faszinieren vermag, steht für ihn immer noch der Mensch im Zentrum des Lebens. Privat lebt er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in der Stadt Zürich zwischen Wald und See. Christian Seyboldt reist viel und gerne und er ist leidenschaftlicher Koch.

In der analogen Zeit habe ein qualitativ guter Titelsatz fünf Franken pro Buchstabe gekostet, eine Bildretouche schnell und gerne einen fünfstelligen Betrag, Internet habe es nicht gegeben; wenn es schnell gehen musste, orderte man Kurier oder Taxi (via Festnetz, Mobile gab es nicht!), bis zu einer fertigen Anzeige hätte schon mal eine Woche vergehen können. Das sei vor 25 Jahren noch so gewesen! Mit der Mediadatenbank von heute dauere es wenige Klicks, die Vorlage der Anzeige sei CI-konform gestaltet, alle Informationen stünden mit dem aktuellsten Angebot und dem richtigen Preis an der korrekten Stelle, mit einem weiteren Klick sei die Anzeige auf dem Desktop des diensttuenden Mitarbeiters eines Verlags, das anschliessende Verrechnungswesen geschehe automatisch. So sei das heute. Faszinierend! Das funktioniere mit allen Kommunikationsmitteln genauso. Beispielhaft sei diesbezüglich die Datenbank des n c ag-Kunden Mövenpick Hotels & Ressorts. Ob nun irgendwer irgendwo auf der Welt für das entsprechende Hotel die neusten Zimmerbilder für eine Anzeige benötige, eine Korrektur auf einer Menükarte vornehme, eine Broschüre drucke oder eine neue Hausbeschriftung in Auftrag gebe. Die vernetzte Datenbank mache es möglich – sie mache alles möglich, jederzeit und weltweit!

Das mache schon Spass, ein solches Tool zu betreuen und den Support zu sichern. Christian Seyboldt lächelt, wenn er das sagt, bleibt dabei stoisch ruhig, wohl wissend, dass auch da immer jemand seine Hilfe braucht oder im schlimmsten Fall er selbst einmal gefordert wird – von der Datenbank, die vielleicht einmal motzt, wie eine eitle Diva, die zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt bekommt. Was er dann mache? Ruhig bleiben und lieb sein mit ihr, sagt Christian Seyboldt. Und um die ganze Aufregung in Grenzen zu halten, esse er dazu ein Stück Schokolade.


Bevor ein Computerproblem einen zum schieren Wahnsinn treibe, helfe ein Stück Schokolade, am besten schwarze, noch besser sei ein grosses Stück Schokoladekuchen, sagt Christian Seyboldt. Hier sein persönliches Lieblingsrezept:

Seyboldts Schokoladekuchen

Angaben für kleine/grosse Form
300 g/400 g schwarze Schokolade, zartbitter (70% Kakaoanteil)
100 g/200 g Butter
100 g/200 g Rohrzucker
5/6 (grosse) Eier

Schokolade in Wasserbad flüssig werden lassen, Butter zerlassen, Zucker und Butter mischen, flüssige Schokolade zugeben, gut durchrühren, Eier (ganz aufschlagen), schaumig mixen und darunterziehen. In ausgebutterte Springform (klein/gross) giessen, bei 180° 30 Minuten backen. Auskühlen lassen, zugedeckt in den Kühlschrank stellen, kalt servieren.